Und ab nach Go…karna

Nein, ich saß oder vielmehr lag nicht im falschen Bus. Schuld an der tausendundersten spontanen Planänderung waren drei Österreicher. Erst hat mir die eine von einem Ort namens Gokarna vorgeschwärmt, dann erzählt das Wiener Pärchen im Bett gegenüber, der Bus halte auch dort und sie seien auf dem Weg dahin – kann kein Zufall sein, dachte ich mir, alles Karma und so weiter, und meldete beim Fahrer an, auch nach Gokarna zu wollen.

Der Tempel, den ich im Verdacht habe (trotzdem schön)

Was ich nicht wusste: Der Bus hielt nicht dort, sondern eine Stunde entfernt im Wald, und das nachts um zwei. Da saßen wir, ein Häufchen übermüdeter und orientierungsloser Packpacker, und wussten nicht, ob der versprochene Minibus tatsächlich kommen würde. Er kam, aber nachts umd drei an einem stockdunklen Strand, umgeben von Hunden und Kühen, sah die Lage zunächst auch nicht viel rosiger aus. Weiter halfen dann nach Sonnenaufgang, wie immer, ein Masala Chai (wenn auch mittelmäßig), ein Frühstück und eine kleine Bambushütte – tatsächlich das erste Mal auf der Reise, dass ich mir mit niemandem das „Zimmer“ teilte!

Die Österreicherin hatte nicht zu viel versprochen, Gorkarnas Strände sind paradiesisch schön und gar nicht „busy“, wie man in Backpacker-Fachsprache sagt. Auch das Städtchen selbst, ein Pilgerort, ist überschaubar und für indische Verhältnisse sehr entspannt. Ich gönnte mir also einen ruhigen Tag mit langem Spaziergang, gutem Essen und gelegentlichem Ins-Wasser-Hüpfen. Alles gut – bis sich abends irgendwas komisch angefühlt hat… um es kurz zu machen, die Nacht in der eignenen Hütte, in den Schlaf gerauscht vom Meer 20 Meter weiter, war ein Alptraum, und erst jetzt, zwei Tage später, bin ich wieder fieber-, magenkrampf- und allgemein beschwerdefrei. Ich weiß nicht, ob es das Thali am Abend, das Lassi oder das angebliche „heilende“ Wasser aus dieser Tempelquelle war – das ich natürlich unbedingt trinken musste.

Mein Stolz hat unter dieser Episode ein wenig gelitten, denn bis dahin hatte ich mir einiges darauf eingebildet, rundum gesund geblieben zu sein – dabei habe ich vom ersten Tag an alles missachtet, was Indien-Erfahrene und Reiseführer zu diesem Thema zu sagen haben. Ich putze meine Zähne mit Leitungswasser, trinke, was man in Restaurants an Wasser bekommt, berühre die Becher beim Trinken, esse Salat und Obst und glaube außerdem an die Faustregel „Je ranziger ein Street Food Laden aussieht, desto besser schmeckt, was man dort bekommt“. Und was war? Nix! Bestimmt war’s der Tempel.

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Kategorien: Allgemein | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Und ab nach Go…karna

  1. Schwester

    Jo genau!

    • Mutter

      ^Was meinste wie meine Kollegen grad rumlaufen, gfanz ohne Tempelwasser fährts denen herum….

  2. Chicky

    Oh nein, du Arme! Aber geteiltes Leid ist halbes Leid: Liege grad daheim aufm Sofa und bin auch krank. Deine Storys tragen allerdings zu meiner Erheiterung und Genesung bei 🙂 Schön, dass es dir so schnell wieder besser ging, ich hinke da noch etwas hinerher…
    Ganz liebe Grüße und bis bald in Tübi!

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