Slum statt Bollywood

Der Cliffhanger war ja gut – aber leider hat mein Bollywood-Agent abgesagt, „there are some problems“. Das kommt hier vor. Sinnvoller war war es sowieso, mit Reality Tours den groessten Slum Mumbais zu besuchen – 1 Million Menschen leben in Dharavi.

Insgesamt hat Mumbai wohl rund 16 Millionen Einewohner, und mehr als die Haelfte davon lebt in Slums. Das Durchschnittseinkommen liegt bei etwa 1000 Dollar im Monat, ein Alu-Recycler in Dharavi bekommt ca. 2 Euro am Tag, eine Brotbaeckerin die Haelfte. Die Zahlen hab ich so aufgeschnappt, kein dpa-Standard 😉 Sicher ist, dass viele sich davon nicht mal im Slum eine Unterkunft leisten koennen und auf irgendwelchen Saecken in den Werkstaetten schlafen, zwischen Muell und immer den giftigen Daempfen ausgesetzt.

Der Slum ist RIESIG und sieht aus, wie man sich das vorstellt – kleine Huetten ohne Zwischenraum, enge „Strassen“ und Gassen, durch die man gerade so durchpasst, Strom- und Wasserleitungen ueberall, nirgends Gruen, alles grau, staubig und unvorstellbar laut. Dabei hat Dharavi, anders als andere Slums, eine echte Infrastruktur. Es gibt ein „bluehendes“ Recyclinggewerbe – Pappe, Oelkanister, Alu, Leder und vor allem Plastik werden irgendwie weiterverarbeitet – mit einem Umsatz von 700 Millionen Dollar im Jahr! Diejenigen, die das gegruendet haben, sind natuerlich laengst in schicke Vororte gezogen, Arbeiterloehne siehe oben. Die Arbeitsbedingungen sind kaum zu beschreiben, alles wird mit blossen Haenden gemacht, es funkt und spritzt und stinkt unbeschreiblich, manche Kinder in den Werkstaetten waren hoechstens zehn Jahre alt, auch alte Menschen schuften 12 Stunden am Tag.

Wir wurden auch durch Wohnviertel gefuehrt. Im Schnitt wohnen fuenf Menschen auf zehn Quadratmetern, das heisst, sie schlafen, waschen, kochen in dem einen kleinen Raum. Die Menschen leben getrennt nach Religionen in verschiedenen „Vierteln“, seit es in den 1990ern Konflikte gab zwischen Moselms und Hindus. Inzwischen ist alles wieder friedlich, nur geheiratet wird in der eigenen Community. Wasser und Strom gibt es (legal) nur in den Teilen der Slums, die vor dem Jahr 2000 entstanden sind, die anderen sind illegal und werden teilweise von der Regierung  platt gemacht, um Wohnungen zu bauen – die sich keiner der Ex-Bewohner leisten kann.

Als Tourist durch Dharavi gefuehrt zu werden ist natuerlich beklemmend. Aber die Guides kannten viele Slumbewohner, und Reality Tours betreibt dort eine Schule und einen Kindergarten, es hatte zum Glueck nichts von einer Fuehrung durch den Zoo. Die Bewohner waren alle, wirklich alle sehr freundlich, haben gegruesst und gelacht, Kinder wollten uns immer die Hand geben – gebettelt hat niemand. Allen in der Gruppe ist aufgefallen, dass die Menschen dort zufriedener wirken als die meisten Berliner (oder New Yorker oder Roemer oder woher wir eben alle kamen) – dass sie nichts anderes kennen, kann nicht die einzige Erklaerung sein. Ich hab noch keine gefunden.

Was ich gut fand: Fotografieren war nicht erlaubt. Hier ein paar Eindruecke:

http://realitytoursandtravel.com/default.html

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Please hold the line…

Ich bin ein wenig abgetaucht, mehr als spontan – sass auf dem Flug von Mumbai nach Thiruvananthapuram neben einer Yogalehrerin aus den USA und bin direkt mir ihr in einen Ashram gefahren. Die Internet-Situation ist mehr als desolat, aber wer gucken will, ich bin hier:

http://www.sivananda.org/ndam/

Bis bald!

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Schlaflos in Mumbai

Gateway of India

Da in diesem „Internetcafe“ an Hochladen von Bildern nicht zu denken ist, hole ich das nach.

Angekommen! Und zwar heil, wenn auch reichlich uebermuedet. (Hinweis der Redaktion: Umlaute und so ein Schnickschnack gibt’s heute nicht.) Von der ersten Minute an ueberschwemmt einen dieses Land mit so vielen ueberwaeltigenden und berichtenswerten Eindruecken, dass ich eigentlich gar nicht anfangen muss, zu schreiben. Von den Weihnachtsliedern, inklusive „Winterwonderland“, im stickig heissen Flughafen. Von meinem hutzeligen Taxifahrer, der kein Wort Englisch konnte und vor roten Ampeln nicht mal der Form halber abgebremst hat. Von barfuessigen Motorradfahrern und kleinen Kindern auf achtspurigen Autobahnen. Vom Hostel der Heilsarmee, wo ich untergekommen bin – da sagen ohnehin Fotos mehr als 1000 Worte…

Da ich ohnehin zu aufgeregt zum Schlafen war, bin ich erst mal losgezogen morgens zum Gateway of India und anderen Sehenswuerdigkeiten.  Natuerlich habe ich mich dabei verlaufen und bin ueber einen Fischmarkt gestolpert – die hunderttausendmillionen Fliegen und  streunenden Hunde und Katzen, viele eher tot als lebendig, erklaeren gleich, warum hier die Haelfte der Hostel-Bewohner ueber „Unwohlsein“ (…) klagt.

Nachmittags Schiffahrt zur „Elefanteninsel“, Unesco Weltkulturerbe und wunderschoen, auch die Schiffahrt hin und zurueck mit Blick auf die Skyline von Mumai. Im Smog, versteht sich. Der einzige Inder, den ich bisher kennen gelernt habe, der mir nichts verkaufen wollte, besteht allerdings darauf, dass das normaler Nebel sei.

Jetzt macht das Internetcafe (Accents gibt’s auch keine, Anm.d.R.) auch schon zu. Morgen spiele ich in einem Bollywoodfilm mit. So schnell kann’s gehen.

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40 Grad Reisefieber

Morgen ist Abflug – und die Reise beginnt gut, nämlich damit, dass ich – dieses Mal – rechtzeitig feststelle, dass es gar nicht in Schönefeld, sondern in Tegel losgeht.

Erstaunlich leicht: das Gepäck. Erstaunlich viel: zu erledigen. Letzte Tipps von erfahrenen Reisenden („Hast du deine EC-Karte freischalten lassen?“ – „Hä?“). Vorfreude! Ich sitze auf gepackten Koffern –>

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